Die Gewinner des 10. Vector Awards 2026 von Igus stehen fest. Sie wurden am 14. April im Rahmen der Online-Jahrespressekonferenz des Unternehmens bekanntgegeben. Der Beitrag stellt die vier gewürdigten Lösungen vor. Der Wettbewerb prämiert kreative und nachhaltige Energieketten-Anwendungen. Zum 10-jährigen Jubiläum waren 424 Bewerbungen aus 36 Ländern eingegangen.
Der Terminal-Betreiber Cruise Port Rotterdam konnte die Jury mit einem System für die Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen in Häfen überzeugen und erhält den goldenen Vector Award. Silber geht an Jenaer Antriebstechnik für ein hochpräzises Positionierungssystem in der Mikrochip-Herstellung. Das Royal Ballet and Opera aus London erhält Bronze für einen 37 m hohen Bühnenturm mit absenkbarer Multimediatechnik. Die Membion GmbH kann sich über den grünen Vector freuen: Das Unternehmen aus Roetgen hat einen Membranbioreaktor zur Filterung von Mikroplastik aus Trinkwasser entwickelt. Im Folgenden werden die prämierten Lösungen vorgestellt.
Gold: Mobiler Landstrom für Kreuzfahrtschiffe, null Emissionen vor Ort
Von wegen frische Meeresluft: Viele Hafenstädte leiden unter hoher Abgasbelastung, wenn Schiffe ihre Motoren für die Stromversorgung laufen lassen. Messungen des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) zeigen: An Terminals finden sich stellenweise über 400.000 Partikel in einem Kubikmeter Luft. Das entspricht einer Schadstoffbelastung, die selbst die Luftverschmutzung an großen Verkehrsachsen um das bis zu Achtzigfache übersteigt.
Um diese Belastung zu reduzieren, liefert der Terminal-Betreiber Cruise Port Rotterdam seinen Kreuzfahrtschiffen als Alternative Landstrom. Das senkt die Emissionen vor Ort auf null. Der Anschluss allerdings erwies sich als Herausforderung. Da die Meeresriesen stark in Größe und Anlegeposition variieren, mussten die Konstrukteure eine fahrbare Landstromanschlusseinheit bauen.
Eine Herausforderung dabei war, die Energieleitungen auf langen Verfahrwegen zu führen und vor Salz und UV-Strahlung zu schützen. Zum Einsatz kommt deshalb das Igus Mobile Shore Power Outlet (iMSPO), ein mobiles Landstromsystem, das sich flexibel and die Anforderungen moderner Terminals anpassen lässt. Es arbeitet mit einem Gleissystem, auf dem sich ein Trolley bewegt, der die Leitungen in Rollen-Energieketten aus Hochleistungskunststoff transportiert. Diese bewegen sich in überdachten Führungsrinnen im Boden des Kais. Gleichzeitig lässt es sich unauffällig in die bestehende Terminalinfrastruktur integrieren und ist im täglichen Einsatz kaum sichtbar, sodass der Terminalbetrieb nicht gestört wird. Die Leitungen, die das Schiff zum Kai hinablässt, werden über den Trolley direkt verbunden. So können die Kreuzfahrtriesen ihre Dieselgeneratoren abschalten und Emissionen vermeiden.
Die Vector Jury aus Forschung, Fachpresse und Industrie zeigte sich von dieser technisch anspruchsvollen und gleichzeitig nachhaltigen Anwendung beeindruckt und zeichnete Cruise Port Rotterdam mit dem goldenen Vector 2026 aus.
Silber: Hochpäzises Positioniersystem für die Mikrochip-Herstellung
Chirurgen, Uhrmacher und Restauratoren haben feines Fingerspitzengefühl. Doch auch sie könnten unmöglich in der Fertigung moderner Mikrochips arbeiten, die in Smartphones, E-Autos und Diagnosegeräten im Krankenhaus stecken. Hier sind Maschinen gefragt, die Bauteile in einem Positionierungsbereich von 0,1 µm platzieren. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist rund 700-mal dicker.
Die passenden Pick-and-Place-Lösungen für diese Präzisionsarbeit entwickelt Jenaer Antriebstechnik. Ihre Systeme erreichen Beschleunigungen bis 100 m/s2 mit einer Wiederholgenauigkeit von ±0,1 µm. Eine unglaubliche Präzision, die allerdings nur dann funktioniert, wenn die Komponenten der Maschine keine störenden Vibrationen verursachen.
Bei der Führung von Energie- und Datenleitungen standen die Konstrukteure vor dem Problem, dass klassische Schleppketten beim Aneinanderschlagen der Kettenglieder zu starke Vibrationen erzeugen. Zudem haben viele Systeme einen zu hohen Abrieb, sodass sie nicht reinraumkompatibel sind. Die Lösung waren reinraumtaugliche Flachbandkabel der Serie E-Skin Flat von Igus in Kombination mit Chainflex Leitungen. Das System minimiert störende Kräfte und Reibungseinflüsse. Somit ist eine konstant hohe Genauigkeit sowie ein reibungsfreies, dynamisches Bewegungsverhalten des Mehrachssystems sichergestellt.
Bronze: Opernreife Multimedia-Leitungsführung
Hier lohnt sich der sprichwörtliche Blick hinter die Kulissen: Das Royal Ballet and Opera in London zählt zu den bedeutendsten Kulturinstitutionen der Welt. Ein festes Ensemble von Weltklasse-Tänzern, Sängern und Musikern bringt jährlich rund 250 Aufführungen auf die Bühne.
Was das Publikum nicht sieht: Oberhalb der Bühne erstreckt sich ein 37 m hoher Turm, der zwei komplette Kulissen einschließlich Beleuchtungstraversen absenken kann, um einen schnellen Szenenwechsel zwischen verschiedenen Produktionen zu ermöglichen. Hunderte Leitungen für Strom und Daten müssen der Bewegung der Traversen bis zum Boden möglichst leise folgen, ohne dabei Schaden zu nehmen und die Aufführung zu stören. Motorisierte Kabelspulen schieden wegen der großen Leitungsmengen aus.
Bereits im Jahr 2000 entschieden sich die Konstrukteure deshalb für eine Lösung von Igus: ein maßgeschneidertes und platzsparendes Zick-Zack-Energiekettensystem für die Beleuchtungstraversen in der Obermaschinerie. Das System war über 25 Jahre zuverlässig und ohne Ausfälle im Einsatz. Von dieser Nachhaltigkeit überzeugt, wandten sich die Experten 2025 erneut an Igus, als die Beleuchtung auf LED-Technik umgestellt wurde und sich dadurch Anforderungen wie Gewicht, Belastung und Konstruktion änderten. Eine Herausforderung war der Pendelausschlag der Energieketten. Durch eine gegenläufige Zick-Zack-Anordnung konnte er deutlich reduziert werden. Zudem ist es gelungen, das Gewicht der Führungsboxen durch den Einsatz von Aluminium und einer optimierten Konstruktion von 200 kg auf 150 kg zu verringern. Montiert sind nun 20 vorkonfektionierte Energieketten der Serie E4.56 mit Chainflex Leitungen, die zuverlässig Energie und Daten für die LED-Beleuchtung transportieren. Die alten Energieketten hat das Opernhaus über das Chainge-Programm von Igus recyceln lassen und konnte somit seine Nachhaltigkeitsbilanz verbessern.
Grüner Vector: Membranbioreaktor sorgt für sicheres Trinkwasser
Sicheres Trinkwasser ist auch in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Denn immer mehr Mikroplastik und Arzneimittelrückstände bringen konventionelle Kläranlagen an ihre technischen Grenzen, weil die Partikel schlicht zu klein sind. Während die Bundesregierung in der „Nationalen Wasserstrategie“ den Druck auf Kläranlagen mit strengeren Grenzwerten erhöht, suchen Technologiehersteller nach neuen Filtrationsmöglichkeiten. Zu ihnen zählt die Membion GmbH aus Roetgen.
Das Unternehmen entwickelt Membranbioreaktoren, die optisch an riesige Bündel Spaghetti erinnern. Ihre Filter hingegen haben so winzige Poren, dass selbst Bakterien und Mikroplastik nicht hindurchpassen. In Kombination mit Pulver-Aktivkohle lassen sich auch Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände entfernen. Zuverlässig funktioniert die automatisierte Produktion der Membrane allerdings nur dann, wenn die Leitungen, die dauerhaft unter feuchten Bedingungen und in beengtem Bauraum arbeiten, zuverlässig geschützt sind.
Die Konstrukteure vertrauen deshalb auf Energieketten der Serie E2 von Igus mit Chainflex Leitungen. Die kleinen Biegeradien ermöglichen eine platzsparende Installation auch auf engstem Raum. Das Ergebnis ist eine zuverlässige und langlebige Kabelführung, welche den anspruchsvollen Betriebsbedingungen dauerhaft standhält.
Weitere Informationen zum Vector Award und den ausgezeichneten Lösungen:
Quelle: Igus






