In Klartext hat die Redaktion für Ausgabe 02/2026 Experten aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden zum Thema „Sensorik und Machine Vision in der Intralogistik“ befragt – für den Schwerpunkt „Intralogistik“ anlässlich der Logimat 2026 (24.-26. März 2026 in Stuttgart). Leuze, Sick, Universität Stuttgart und VDMA haben Experten-Statements beigetragen, die hier nun auch online erscheinen.
Sensorik und Machine Vision sind zentral für die autonome und vernetzte Intralogistik – von der Navigation fahrerloser Transportsysteme (FTS) über Objekterkennung, Vermessung und Codelesen bis zur sicheren Mensch-Maschine-Interaktion. Welche Sensorik-Trends prägen aktuell die Entwicklung vernetzter Intralogistiklösungen – von der Einzelkomponente bis zum Gesamtsystem? Welche technischen und auch wirtschaftlichen Herausforderungen ergeben sich daraus speziell in Konstruktion und Entwicklung?
Zu dem Fokus Intralogistik haben folgende Experten Statements beigetragen:
- Matthias Göhner, Business Development, Leuze Electronic Deutschland GmbH + Co. KG, Owen
- Phil Krumbein, Market Product Manager Logistic Solutions, Sick Vertriebs-GmbH, Düsseldorf
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Robert Schulz, Institutsleiter am Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart
- Johannes Rehner, Referent, VDMA-Fachverband Elektrische Automation
Matthias Göhner
Business Development, Leuze Electronic Deutschland GmbH + Co. KG, Owen
Modulare Plattformen und softwaregetriebene Funktionen sind gefragt
Als Sensorhersteller erleben wir, dass sich die Intralogistik von der punktuellen Automatisierung hin zu durchgängig vernetzten, adaptiven Systemen entwickelt. Ein zentraler Trend ist die zunehmende Fusion unterschiedlicher Sensortechnologien: Sicherheits- und Positionssensorik, Lidar, Radar sowie 2D- und 3D-Machine-Vision wachsen zu ganzheitlichen Systemen zusammen. Edge-Processing, KI-gestützte Bildauswertung und standardisierte Schnittstellen wie Ethernet-basierte Feldbusse ermöglichen es, Sensoren nicht nur als Datenlieferanten, sondern als intelligente Systemkomponenten einzusetzen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an funktionale Sicherheit, Cybersecurity und Interoperabilität – insbesondere bei FTS und in der Mensch-Maschine-Interaktion. Technisch bedeutet das für Konstruktion und Entwicklung eine höhere Komplexität: Sensoren müssen kompakter, robuster und leistungsfähiger werden und sich flexibel in unterschiedliche Fahrzeug- und Anlagenkonzepte integrieren lassen. Wirtschaftlich stehen Hersteller vor der Herausforderung, diese hohe Performance mit Skalierbarkeit und Kostenstabilität zu vereinen. Gefragt sind modulare Plattformen und softwaregetriebene Funktionen. Ziel wäre es künftig, von intelligenten Sensoren einen „Digitalen Zwilling“ zu haben, um eine Anlage bereits im Vorfeld zu simulieren und dadurch schon virtuell zu optimieren.
Phil Krumbein
Market Product Manager Logistic Solutions, Sick Vertriebs-GmbH, Düsseldorf
Komplex wird es bei der Integration neuer Sensoren im Bestandsumfeld
Sensorik und Machine Vision sind der Schlüssel für autonome und vernetzte Intralogistik, denn sie schaffen Transparenz für Navigation, Objekterkennung, Vermessung, Codelesen und eine sichere Mensch-Maschine-Interaktion. Aktuelle Trends reichen von leistungsfähigeren, multimodalen Sensoren über kamerabasierte Systeme mit integrierter Auswertung bis hin zu durchgängigen Track-and-Trace- und Lokalisierungslösungen. Der Fokus verlagert sich dabei klar von der Einzelkomponente zum stabilen Gesamtsystem. Technisch und wirtschaftlich besonders herausfordernd ist das Bestandsumfeld: Neue Sensoren lassen sich meist einfach anbinden, komplex wird es bei Erweiterungen oder Modernisierungen bestehender Anlagen. Für Konstrukteure zählt hier maximale Planungs- und Integrationssicherheit. Standardisierte, vielfach erprobte Lösungen reduzieren Testaufwand und Projektrisiken und beschleunigen die Umsetzung. Früh verfügbare CAD-Modelle sowie der Einsatz von Augmented Reality zur realitätsnahen Bewertung von Einbausituationen unterstützen zusätzlich eine effiziente und sichere Entwicklung.
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Robert Schulz
Institutsleiter am Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart
Fortgeschrittene Auswertealgorithmen ermöglichen Sensordatenfusion und robustere Prozesse
Optische Sensorik und Machine Vision sind in der Intralogistik insbesondere für fahrerlose Transportsysteme ein zentrales Thema. Der Trend weg von spurgeführten FTF zu frei navigierenden autonomen mobilen Robotern wird sich aufgrund der höheren Flexibilität weiter fortsetzen. Herausfordernd sind aktuell noch die hohen Kosten für Sicherheitslaserscanner, besonders im Bereich Low-Cost-AGV. Eine sichere Einbindung von 3D-Kameras und Radar und deren Auswertung durch fortgeschrittene Auswertealgorithmen ermöglichen eine Sensordatenfusion und damit robustere Prozessabläufe im Bereich der Navigation und Hinderniserkennung, aber ebenso bei der automatischen Übergabe von Ladungsträgern. Der Schritt von der idealen Entwicklungsumgebung in die realen Anwendungsbereiche erfordert dabei, jederzeit die Sicherheit von anwesenden Personen zu gewährleisten, aber auch aufzunehmende Ladungsträger zuverlässig zu erkennen, selbst wenn diese verschmutzt oder teilweise durch andere Objekte verdeckt sind.
Johannes Rehner
Referent, VDMA-Fachverband Elektrische Automation
Absicherung vernetzter Sensorsysteme erfordert robuste Sicherheitsarchitekturen
Aktuell wird die Entwicklung von Intralogistiklösungen maßgeblich durch moderne Sensorik-Technologien beeinflusst. Zusammen mit KI-basierter Bildverarbeitung ermöglichen sie eine deutlich präzisere Umgebungserfassung, was sich gerade im Bereich mobile Robotik positiv auf Navigation und Objekterkennung auswirkt. Technische Herausforderungen für Konstruktion und Entwicklung ergeben sich heute schon aus der wachsenden Sensorvielfalt. Denn die Auswahl wirkt sich auf den Integrationsaufwand aus, erfordert robuste Schnittstellenstandards und eine zuverlässige Performance auch unter schwierigen Umweltbedingungen. Gleichzeitig wird die Absicherung vernetzter Sensorsysteme zentral, da mit mehr IoT‑ und Cloud‑Anbindung auch die Angriffsflächen wachsen und robuste Sicherheitsarchitekturen nötig werden. Wirtschaftlich müssen Unternehmen ihre Investitionen in Sensorik und Dateninfrastruktur so gestalten, dass sie skalierbar bleiben und sich schnell amortisieren.
Bilder: Leuze, Sick, Universität Stuttgart, VDMA






