In Klartext hat die Redaktion für Ausgabe 01/2025 Experten aus Wissenschaft, Industrie und Verbänden zum Thema „Fokus Fachkräfte“ befragt – für das Special „Intralogistik“ zur Fachmesse Logimat 2025, die vom 11. bis 13. März in Stuttgart stattfindet. Die Experten-Statements des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, von Igus und des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik erscheinen hier nun auch online.
Auch in der Intralogistik fehlen qualifizierte Fachkräfte, die mit neuesten Technologien und Systemen umgehen können. Wie können Konstruktion und Entwicklung insbesondere die Inbetriebnahme und Wartung komplexer Intralogistiklösungen vereinfachen? Und wie findet man ein sinnvolles Maß an Automatisierung, Robotik, KI und Digitalisierung, Safety und Security? Welche Konzepte haben sich bei der Inbetriebnahme, Wartung und Upgrades bewährt und wohin geht die Reise?
Zu dem Intralogistik-Special haben folgende Experten Statements beigetragen:
- Jan Drömer, Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik und CIO der EK Robotics GmbH, Hamburg
- Dipl.-Ing. Guido Follert, Abteilungsleiter Maschinen und Anlagen, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund
- Christian Strauch, Branchenmanager Material Handling bei der Igus GmbH, Köln
Jan Drömer
Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik und CIO der EK Robotics GmbH, Hamburg
Abstrakte Berichtspflichten blockieren wertvolle Fachkräfte
Auf allen Seiten fehlen Fachkräfte. Aus Kundensicht ist der Schritt zur Automatisierung daher mitunter alternativlos, auch wenn er gleichzeitig eine höhere Komplexität vor allem in der IT bedeutet. Innovationskraft ist hier das Stichwort, um praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Die haben die Intralogistikanbieter zweifelsohne, gleichzeitig stehen auch sie vor der Herausforderung, geeignetes Fachpersonal zu finden. Zusätzlich wird die Innovationskraft von gesetzlichen Rahmenbedingungen gebremst. Wo Cyber Resilience Act und NIS2-Richtlinie selbstverständlich nutzenstiftend sind, wird es mit dem EU-Data-Act schon unklarer: Kundennutzen oder Teil des sinnfreien Bürokratie-Tsunamis? Letzteren abzuwickeln und abstrakte Berichtspflichten zu erfüllen, blockiert wertvolle Fachkräfte. Kleinere und mittlere Unternehmen stellt das vor große Herausforderungen.
Dipl.-Ing. Guido Follert
Abteilungsleiter Maschinen und Anlagen, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund
Der umfassende Digitale Zwilling vereinfacht in Zukunft die Inbetriebnahme und Instandhaltung
Auch in der Intralogistik fehlen qualifizierte Fachkräfte, die mit neuesten Technologien und Systemen umgehen können. Die Arbeit an flexiblen Automatisierungssystemen wie AGV, AMR oder Cobots sowie an integrierten Intralogistiksystemen mit verschiedensten Gewerken erfordert viel Know-how. Vorbereitend für die Inbetriebnahme in der Kundenanlage spielt die 100 %-Prüfung von Antrieben, Verkabelung und Einzelfunktionen eine wichtige Rolle. Durch die Konstruktion muss alles so ausgelegt sein, dass die vollständige Prüfung im Anschluss an die Endmontage aufwandsarm möglich ist. Für die Instandhaltung sind verschiedene Anforderungen zu berücksichtigen. Die Inspektion verlangt gute Sichtbarkeit der beanspruchten Bauteile, die Instandsetzung zusätzlich noch die Zugänglichkeit der beanspruchten Stellen, an denen Reinigung, Reparatur oder Austausch von Bauteilen erforderlich werden können. Der Instandhaltung ist auch die Schwachstellenanalyse an technischen Systemen im Einsatz zugeordnet. Daraus folgende Verbesserungen der Maschinen, oder auch Upgrades für die Funktionserweiterung und Leistungssteigerung, erfordern Anpassbarkeit von Komponenten oder Baugruppen, die durch konsequente Modularisierung bereits in der Konstruktionsphase im weiteren Lebenszyklus leichter fallen. Nicht zuletzt spielt auch die durchgehende Digitalisierung von Konstruktions- und Diagnosedaten als Grundlage für Analysen und Testverfahren eine immer wichtigere Rolle auf dem Weg hin zum Digitalen Zwilling der Geräte und Anlagen, der in Zukunft die Inbetriebnahme und Instandhaltung erheblich vereinfachen wird.
Christian Strauch
Branchenmanager Material Handling bei der Igus GmbH, Köln
Wartungsarme Lösungen und Vernetzung entlasten Fachkräfte
Automatisierte Arbeitsvorgänge sparen Geld und Zeit und müssen nicht teuer oder kompliziert sein. Das zeigt zum Beispiel unser ReBeL Move. Das neue FTS kann von Mitarbeitern mit wenig IT-Kenntnissen innerhalb einer Stunde in Betrieb genommen werden. Auch die Lebensdauer neuer Produkte ist essenziell: Unsere Energieketten und Kunststofflager können mithilfe unserer smarten Sensoren im laufenden Betrieb auf Verschleiß geprüft werden, um unvorhersehbare Stillstandzeiten zu vermeiden. Die Wartungsintervalle werden länger und sind planbar. Auch eine schnelle, sichere und einfache Montage ist wichtig in der Intralogistik, wie zum Beispiel mit der Autoglide 5-Energiekette für lange Wege, die innerhalb weniger Stunden montiert werden kann. Die Kombination aus wartungsarmen Lösungen und Vernetzung bietet Betrieben größtmögliche Sicherheit sowie Entlastung für Fachkräfte. Die Produktlebensdauer wird ausgereizt, das Ausfallrisiko minimiert, und die Instandhaltungskosten sinken.
Bilder: VDMA-Fachverband Fördertechnik und Intralogistik, Fraunhofer IML, Igus






