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Robust statt elektronisch

Präzision braucht clevere Spanntechnik

27.04.2026
von Redaktion DER KONSTRUKTEUR
Solidpoint 4-fach Platte von HWR Spanntechnik im Einsatz bei Berges – auf verschiedenen Bearbeitungszentren der Spezialisten kommen die Mehrfach-Platten zum Einsatz, vorwiegend mit von Berges selbst herstellten Fräsaufnahmen

Robust, dynamisch und unabhängig von sensibler Elektronik: Präzise mechanische Antriebstechnik behauptet sich auch im digitalen Zeitalter – besonders unter rauen Einsatzbedingungen. Damit stufenlose Verstellscheibentechnik ihre Präzision ausspielen kann, sind in der Fertigung durchdachte Spannlösungen gefragt. Dünnwandige Bauteile, enge Toleranzen und wechselnde Losgrößen stellen höchste Anforderungen an die Spannmittel.

Dennis Sting, Produktionsleiter bei Berges (rechts) und Alexander Michel von HWR Spanntechnik

Dennis Sting, Produktionsleiter bei Berges (rechts) und Alexander Michel von HWR Spanntechnik

Wenn es um Applikationen in rauen Umgebungen geht, bieten mechanische Geräte und Systeme oftmals große Vorteile gegenüber elektronischen Lösungen. Auch im digitalen Zeitalter. Die Verstellscheibentechnik von Berges ist ein gutes Beispiel dafür: Mit ihr sind Leistungsübertragungen von 0,25 bis 200 kW realisierbar, stufenlos und sowohl symmetrisch wie auch asymmetrisch. Der Hersteller mit langjähriger Erfolgsgeschichte bietet dabei eine sehr große Bandbreite an Lösungen.

Die Brüdern Carl und Wilhelm Berges gründeten vor 100 Jahren die Maschinenfabrik C.&W. Berges im nordrhein-westfälischen Marienheide. Die Fertigung von Pressen und Stanzen zur Verarbeitung von Metall und Kunststoff stand zunächst im Mittelpunkt. Stufenlose Verstellscheibentechnik kam 1940 hinzu. Im Jahr 1970 nahm die Tochtergesellschaft Berges Italiana GmbH in Naturns, Südtirol, den Betrieb auf. Einige Umfirmierungen folgen. Seit 1997 konzentriert sich das Unternehmen auf mechanische Antriebstechnik und sie ist noch immer Kern der Aktivitäten.

Das Unternehmen wird heute von den Brüdern Manuel und David Tappeiner geführt, die 2018 Berges Mechanics und 2021 die Muttergesellschaft Berges Antriebstechnik übernahmen. Der Hauptsitz befindet sich nun in Naturns, während in Marienheide ein Zweigwerk besteht; insgesamt sind derzeit 50 Mitarbeitende an beiden Standorten beschäftigt.

Qualität und Flexibilität zählen

Die Solidpoint 4-fach Platte mit 96er-Raster gibt es auch mit einem Befestigungsbohrbild für 63er- und 100er-Nutentische

Die Solidpoint 4-fach Platte mit 96er-Raster gibt es auch mit einem Befestigungsbohrbild für 63er- und 100er-Nutentische

„Unsere Kunden schätzen uns für die sehr hohe Fertigungstiefe und unsere branchenübergreifende Erfahrung“, erzählt Dennis Sting, Produktionsleiter bei Berges Antriebstechnik. „Wenn es um stufenlose mechanische Antriebstechnik geht, garantieren wir höchste Qualität und Flexibilität. Tatsächlich haben wir uns auch aus diesem Grund für Spannmittel von HWR entschieden, wir schwingen in dieser Hinsicht sehr ähnlich.“ Hauptsächlich geht es bei Berges um die Entwicklung und Produktion der mechanischen stufenlosen Antriebstechnik, um Keilriemen-Variatoren. Ein weiteres Standbein ist die Lohnfertigung: Hier geht es um Bauteile für international tätige namhafte Maschinenbauer und Hersteller von Antriebstechnik.

Mit ihren Produkten und dem fundierten Know-how ist das Unternehmen in zahlreichen Branchen erfolgreich, vor allem in der Agrartechnik, aber auch bei Werkzeugmaschinen, Maschinen für die Lebensmittelindustrie sowie Textilmaschinen. Überall dort kommen die robusten Verstellantriebe zum Einsatz. Ein weiteres Spezialgebiet sind Pumpen für explosionsgeschütze Bereiche: Hier fertigt und liefert das Unternehmen Komplettgetriebevariatoren – Variator, Elektromotor und Untersetzungsgetriebe.

In der Produktion verwendet Berges Spannmittel aus den beiden HWR-Produktlinien Inoline und Solidline. Die Geschäftsbeziehung zu den Norddeutschen besteht seit über zehn Jahren. „Seit 2014 beliefern wir Berges – das war zwar noch vor meiner Zeit bei HWR, aber ich weiß, dass sie zu den ersten Kunden gehören, die unsere Inozet Pendelbrücken verwendet haben“, sagt Alexander Michel, Key-Account-Manager im Vertrieb bei HWR. Diese seien ideal, wenn Bauteile gespannt werden müssen, die empfindlich oder leicht verformbar sind und hohe Rundlauftoleranzen benötigen. Außerdem decke Inozet einen großen Durchmesserbereich ab, was Anwendern wie Berges die gewünschte Flexibilität gebe, so Michel.

Spannmittel für empfindliche Bauteile

Bereit für das Spannen empfindlicher, leicht verformbarer Bauteile: Mit Inozet Pendelbrücken macht Berges aus dem 3‑Backenfutter ein pendelndes 6‑Backenfutter

Bereit für das Spannen empfindlicher, leicht verformbarer Bauteile: Mit Inozet Pendelbrücken macht Berges aus dem 3‑Backenfutter ein pendelndes 6‑Backenfutter

Das von HWR entwickelte Spannsystem Inozet ist bereits ein Klassiker im Portfolio: Aus einem herkömmlichen 3-Backenfutter macht es ein pendelndes 6-Backenfutter. Das Pendelsystem kann auf jedes Futter ab einer Durchmessergröße von 210 mm adaptiert werden. Die Handhabung ist einfach und schnell. Das Spannsystem liefert hervorragende Ergebnisse und eröffnet durch seine Vielseitigkeit große Einsparpotenziale.

Bei Berges sind derzeit sechs Inozet-Spannmittel auf Horizontal- und Vertikaldrehmaschinen des Herstellers Victor im Einsatz. Die dazugehörigen HWR-Spannbacken sind teils Serienware, teils modifiziert Berges die Spannbacken für spezielle Anforderungen selbst. „Inozet setzen wir beim Drehen vor allem ein, um Form- und Lagetoleranzen prozesssicher einzuhalten. Tatsächlich haben wir einen der anspruchsvollsten Aufträge vor allem dank der HWR-Pendelbrücken und Spannbacken ausführen können“, erläutert Sting. Dabei mussten sehr dünnwandige Buchsen aus Grauguss in Toleranzklasse IT6 mit einem Durchmesser von 450 mm gefertigt werden. Die Form- und Lagetoleranzen kann durch Einsatz des Spannmittels, spannungsarmes Glühen und Nachbearbeitung auf dem Spreizdorn eingehalten werden.

Kurze Rüstzeiten, schneller Werkstückwechsel

Werker beim Rüsten an einer Maschine

Das Solidpoint Nullpunktspannsystem verkürzt Rüstzeiten und Werkstückwechsel

Aus der Nullpunktspanntechnik-Serie Solidline hat sich Berges für das mechanische Solidpoint-System entschieden, um den Rüstprozess auf seinen Bearbeitungszentren zu verkürzen. Drei 4-fach Platten finden dabei Verwendung, vorwiegend mit selbst hergestellten Fräsaufnahmen. „Die Zeiten für das Einfahren der Maschine und des Werkstücks konnten wir damit drastisch verringern“, berichtet Dennis Sting. Außerdem könne während der Bearbeitung in der Maschine auf einer zweiten Aufnahme bereits das nächste Teil montiert werden. „Der Werkstückwechsel an sich beschleunigt sich damit noch einmal merklich“, sagt Sting. Ein weiterer Vorteil von Solidpoint ist die hohe Wiederholge­nauigkeit.

Zeiten für das Einfahren der Maschine und des Werkstücks konnten wir drastisch verringern

Service und Qualität der Betreuung durch HWR kommen bei Berges auch gut an. „Sehr kompetent und immer lösungsorientiert“, resümiert Sting. Eine Erweiterung ihres Maschinenparks sei momentan in Planung, zunächst am Standort Marienheide durch ein neues 5-Achs-Bearbeitungszentrum von Victor und im kommenden Jahr eines für Naturns sowie eine weitere Vertikaldrehbank für Marienheide. Sting sagt: „In diesem Zuge werden wir ganz sicher weiterhin auf die Spannmittel und das Know-how von HWR Spanntechnik setzen.“

dunkelblauer Btutton mit dem Text zum Unternehmen

Quelle: HWR Spanntechnik Bilder: HWR Spanntechnik / Mario Irrmischer

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