Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie sorgen für Nachfrage

Deutscher Werkzeugmaschinenbau auf Erholungskurs

18.09.2026
von Redaktion DER KONSTRUKTEUR
Werkzeugmaschinenindustrie in Deutschland 2. Quartal 2026

Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge im deutschen Werkzeugmaschinenbau um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und im ersten Halbjahr insgesamt um 14 Prozent. Dies teilte der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V. Anfang September mit. Der VDW bewertet dies als Fortsetzung der Erholung. Besonders die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie treiben die Nachfrage, während Produktion und Inlandsmarkt noch hinterherhinken.

Nach einem Plus bei den Auftragseingängen von 15 Prozent im ersten Quartal ergibt sich für das erste Halbjahr ein Zuwachs von insgesamt 14 Prozent. Die Inlandsbestellungen legten um 16 Prozent zu, die Aufträge aus dem Ausland um 13 Prozent.

„Die Talsohle liegt hinter uns und die Aufwärtsentwicklung festigt sich.“ (Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW)

Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW

„Zwei Quartale in Folge mit einem zweistelligen Auftragsplus sind ein ermutigendes Signal. Die Talsohle liegt hinter uns und die Aufwärtsentwicklung festigt sich“, meint Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW. „Für Entwarnung ist es dennoch zu früh. Wir kommen von einem niedrigen Ausgangsniveau, und das Projektgeschäft trägt weiterhin wesentlich zum Wachstum bei. Von einer breiten Nachfrageerholung können wir deshalb nur eingeschränkt sprechen.“

Wachsende und schrumpfende Märkte

Die Entwicklung unterscheidet sich weiterhin deutlich nach Abnehmerbranchen. Besonders dynamisch zeigen sich Luftfahrt und Verteidigung. Auch die Nachfrage aus der Elektronikindustrie und Medizintechnik wird positiv beurteilt. Schwieriger bleibt die Situation in der Metallbearbeitung und im Maschinenbau. Die größten Herausforderungen liegen weiterhin in der Automobil- und Zulieferindustrie. Ihr Anteil am Gesamtabsatz der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie ist im Jahr 2025 auf 23 Prozent gesunken. Mit 27 Prozent bleibt der Maschinenbau der größte Abnehmer. Deutlich zugelegt hat dagegen die Luftfahrtindustrie: Ihr Anteil stieg innerhalb von zwei Jahren um fünf Prozentpunkte auf 11 Prozent.

Bessere Auftragslage könnte Produktion im Jahresverlauf beleben

In der Produktion ist die Erholung bislang noch nicht angekommen. Im zweiten Quartal lag sie schätzungsweise 6 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im ersten Halbjahr sank die Produktion insgesamt um 7 Prozent auf rund 5,9 Mrd. Euro. Die verbesserte Auftragslage dürfte sich nach Einschätzung des VDW jedoch im weiteren Jahresverlauf zunehmend in der Produktion bemerkbar machen.

Internationale Märkte im Vergleich

Auch im Exportgeschäft zeichnet sich zumindest die Tendenz zur Stabilisierung ab. Im zweiten Quartal lagen die Ausfuhren noch 4 Prozent unter dem Vorjahr. Damit hat sich der Rückgang gegenüber dem ersten Quartal deutlich abgeschwächt. Die USA bleiben dabei als größter Absatzmarkt eine wichtige Stütze der Branche. Die Lieferungen dorthin stiegen im ersten Halbjahr um 8 Prozent. Dagegen gingen die Exporte nach China, dem zweitgrößten Absatzmarkt, um 24 Prozent zurück. Unternehmen berichten zuletzt jedoch von einer Stabilisierung und leichten Belebung der chinesischen Nachfrage. Angesichts des intensiven Preiswettbewerbs gewinnt für deutsche Hersteller mit eigener Produktion vor Ort das Prinzip „Local for Local“ weiter an Bedeutung.

In Europa gingen die deutschen Werkzeugmaschinenexporte im ersten Halbjahr insgesamt um 6 Prozent zurück. Positiv entwickelte sich Frankreich mit einem Plus von 25 Prozent und rückte auf Rang drei der wichtigsten Absatzmärkte vor. Auch Polen und Tschechien sorgten für positive Impulse. Indien setzt seinen Wachstumskurs ebenfalls fort und ist mittlerweile der viertgrößte Absatzmarkt der Branche.

Investitionsschwäche am deutschen Markt noch nicht überwunden

Die Entwicklung im Inland bleibt dagegen angespannt. Der Inlandsabsatz lag im ersten Halbjahr 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Positive Signale kommen jedoch von den gestiegenen Inlandsbestellungen. Aktuell belegen auch Konjunkturindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex eine verbesserte Stimmung in der Industrie. Die Importe hielten sich mit einem Minus von zwei Prozent besser als der Inlandsabsatz. Besonders japanische und südkoreanische Hersteller konnten ihre Verkäufe in Deutschland steigern. Insgesamt sank der Inlandsverbrauch um 6 Prozent. Das zeigt laut VDW, dass die Investitionsschwäche am deutschen Markt noch nicht überwunden ist.

Aufträge machen Hoffnung, Beschäftigung bleibt unter Druck

Die Kapazitätsauslastung hat sich zuletzt bei rund 75 Prozent stabilisiert. Gleichzeitig setzt sich der strukturelle Anpassungsprozess in der Branche fort. Im Juni beschäftigten die Unternehmen rund 60.000 Menschen und damit gut 6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Produktion liegt real inzwischen rund ein Drittel unter den Hochphasen früherer Jahre. Bernhard Geis resümiert: „Der Auftragseingang insgesamt zeigt nun seit einem halben Jahr in die richtige Richtung. Entscheidend ist jetzt, dass daraus eine nachhaltige Erholung wird.“

dunkelblauer Btutton mit dem Text zum Unternehmen

Quelle: VDW

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