Eigentliche Disruption in Tiefe der Wertschöpfungskette

Studie zu KI-basierter Robotik

08.09.2026
von Redaktion DER KONSTRUKTEUR

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA ordnet den Boom um Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik ein. Die aktuelle Studie mit dem Titel „Künstliche Intelligenz meets Robotik: Physical AI, Humanoide Roboter und die Zukunft der Automatisierung“ wurde für das FERI Cognitive Finance Institute durchgeführt und analysiert die Konvergenz von KI und Robotik aus Sicht von Technologie, Mark und Investitionen.

„Viele Entscheider sehen Humanoide derzeit vor allem in Shows oder in Demonstrationen auf Messen und fragen zu Recht: Was ist davon schon einsatzreif?“, sagt Dr. Werner Kraus, Leiter des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik am Fraunhofer IPA. „Unsere Studie trennt Hype und Realität und zeigt, wo bereits heute Mehrwert entsteht.“ KI-basierte Robotik ist nicht synonym mit humanoiden Robotern, so eine zentrale Aussage der Studie. Die eigentliche Disruption entsteht in der Tiefe der Wertschöpfungskette: bei Foundation Models, Sensorik und Aktuatorik, bei Simulation und Datenplattformen sowie bei Integratoren, die Technologie in Prozesse überführen.

KI-basierte Robotik wie hier eine Pick-und-Pack-Anwendung ermöglicht Automatisierung dort, wo diese bisher technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzbar war.

KI-basierte Robotik wie hier eine Pick-und-Pack-Anwendung ermöglicht Automatisierung dort, wo diese bisher technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzbar war.

Gleichwohl beweisen die umfänglichen Investitionen in die humanoide Robotik, dass die Entwicklungen in diesem Segment massiv vorangehen. So sprang das Venture Capital im Jahr 2025 auf rund 6,1 Mrd. US-Dollar. Das ist das Vierfache der Investitionen verglichen mit dem Jahr davor.

Die eigentliche Transformation rund um KI-basierte Robotik läuft indes im Hintergrund und betrifft bei weitem nicht nur Systeme mit menschenähnlicher Bauform. Sie wird geformt im Zusammenspiel aus Software, Daten, Simulationen und Hardwarekomponenten, und zwar mit dem Ziel, Unternehmen dazu zu befähigen, intelligente Systeme wirtschaftlich und sicher einzusetzen. KI lässt sich in Industrieroboter, mobile Systeme, Cobots und Serviceroboter integrieren, um diese autonomer und lernfähig zu machen. Humanoide zeigen sich zwar als sichtbarste Ausprägung, sind aber dennoch nur ein Teil des Ökosystems. Demonstrationen dürfen vor diesem Hintergrund also nicht mit Massenadoption verwechselt werden. Der Erfolg hängt von Diffusion, Sicherheit, Regulatorik und Integration ab.

Komplementärer Einsatz wahrscheinlich

„Unwahrscheinlich ist, dass Humanoide bestehende Robotiklösungen kurzfristig ersetzen“, meint Simon Schmidt, Geschäftsbereichsleiter Automatisierte Systeme am Fraunhofer IPA. „Industrieroboter, Cobots und autonome mobile Roboter bleiben in vielen Anwendungen bei Produktivität und Kosten überlegen. Wahrscheinlicher ist, dass Humanoide Tätigkeiten ergänzen, die wegen Flexibilitätsanforderungen oder menschlicher Arbeitsplatzgestaltung bislang schwer automatisierbar waren.“

„Unwahrscheinlich ist, dass Humanoide bestehende Robotiklösungen kurzfristig ersetzen.“ (Simon Schmidt, Geschäftsbereichsleiter Automatisierte Systeme am Fraunhofer IPA)

Als ein besonderes Nadelöhr für den breiteren Einsatz erweist sich die Datenbasis, mithilfe derer intelligente Roboter im Kontext leistungsstarker KI-Modelle (Foundation Models, Vision-Language-Action-Modelle et cetera) bestimmte Aufgaben selbst erlernen können. Die Generierung dieser wichtigen Daten bildet deshalb derzeit ein Schwerpunkt in der Entwicklung KI-basierter Robotik.

dunkelblauer Btutton mit dem Text zum Unternehmen

Quelle: Fraunhofer IPA, Bild: Rainer Bez

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