Realvirtual Web ist eine browserbasierte Plattform für den digitalen Zwilling von Maschinen und Anlagen. Entwickelt hat sie die Realvirtual GmbH aus Sinzheim.
Die Software läuft ohne Installation im Web-Browser, verarbeitet die Daten lokal auf dem Rechner des Anwenders. Sie ist als Open Source unter der Lizenz AGPL-3.0 auf GitHub verfügbar. Aus einem 3D-Modell kann ein interaktives 3D-Bedienpanel, Monitoring-System oder auch eine digitale Maschinendokumentation entstehen, und zwar erreichbar über einen einfachen Link auf jedem PC, Tablet oder Shopfloor-Gerät.
Technische Grundlage ist ein selbstbeschreibendes GLB-Datenformat: Geometrie, Kinematik, Signalzuordnung und verknüpfte Dokumente stecken in einer einzigen Datei. Über die separate Komponente Realvirtual Connect lassen sich reale Steuerungen anbinden. Siemens S7, Beckhoff TwinCAT (ADS), OPC UA, MQTT und Bosch Rexroth ctrlX werden unter anderem unterstützt. Damit zeigt das Browser-Modell Live-Werte aus der Anlage, ohne dass eine Desktop-Anwendung installiert werden muss.
Zwei Eigenschaften grenzen Realvirtual Web dabei von reinen Dashboard- oder Scada-Werkzeugen ab. Erstens bleibt die Maschinengeometrie auf dem Rechner des Kunden: Die CAD-Daten werden lokal im Browser verarbeitet, ein Upload in die Cloud findet also nicht statt. Zweitens vereint die Lösung Simulation und Visualisierung.
Gemeinsames Instandhaltungswissen aufbauen
Einen Schwerpunkt bildet das Maschineninformationssystem. Handbücher, Zeichnungen und Wartungsanleitungen sind direkt mit den einzelnen 3D-Bauteilen verknüpft. Meldet die Steuerung einen Fehler, durchsucht eine KI-Funktion automatisch die hinterlegten Handbücher des Betreibers und zeigt Ursache und Behebungsmöglichkeit auf, und zwar mit Verweis auf die genaue Seite, die somit direkt im Browser geöffnet werden kann. Kommentare von Bedienpersonal zu einer Störung werden zentral gespeichert und sind über Schichten und Geräte hinweg sichtbar. Mit Handbuch, Störungshistorie und Erfahrungswerten kann so ein gemeinsames Instandhaltungswissen an der Maschine aufgebaut werden.

KI-Fehlerdiagnose am Alarm mit Ursache/Behebung, einschließlich Quellenangabe
So bleibt Maschinenwissen in Europa
Beim KI-Einsatz bleibt die Datenhoheit beim Anwender. Das Sprachmodell ist frei wählbar und über die gängige OpenAI-Schnittstelle angebunden. Betreiber können dabei bewusst einen deutschen oder europäischen Hoster wählen oder das Modell vollständig auf eigener Hardware betreiben. Die Handbücher verlassen die Anlage nicht; an das Modell werden lediglich kurze Textausschnitte übermittelt, bei lokalem Betrieb gar keine. Maschinenwissen und Diagnose bleiben so im europäischen Rechtsraum.
Ausschlaggebend war die Architektur
Mauser Packaging Solutions setzt die Plattform für ein solches System ein. „Wir bauen unser MIS auf realvirtual.io auf“, sagt Nils Maier, Head of Sales & Service MMT. „Ausschlaggebend war die Architektur: eine Authoring- und Virtual-Commissioning-Umgebung, eine selbst gehostete Web-Runtime und strukturierte Metadaten über den gesamten Maschinenlebenszyklus – eine Kombination, die man so kaum findet.“
Die EU-Maschinenverordnung erlaubt erstmals ausdrücklich, die Betriebsanleitung digital bereitzustellen, auch eingebettet in die Software der Maschine
Rückenwind kommt von der EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die ab dem 20. Januar 2027 gilt und die bisherige Maschinenrichtlinie ablöst. Sie erlaubt erstmals ausdrücklich, die Betriebsanleitung digital bereitzustellen, auch eingebettet in die Software der Maschine (siehe Artikel 10 Absatz 7). Zugleich muss die digitale Dokumentation über die Lebensdauer (mindestens zehn Jahre) zugänglich sowie druck-, herunterlad- und offline-speicherbar bleiben. Genau diesen Weg bedient Realvirtual Web: Es ist eine lokale, browserbasierte Anwendung, in der Handbücher, Zeichnungen und Wartungshinweise direkt an einzelne 3D-Bauteile geknüpft sind, und zwar druckbar und ohne Internetverbindung verfügbar.
Interessenten können die Lösung über eine Live-Demo auf der Website des Unternehmens testen. Quellcode und Dokumentation der Open-Source-Software stehen frei zur Verfügung.
Quelle: Realvirtual






